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Die bewegende Geschichte der Frankfurter Stadien und des Frankfurter Fußballs

Die Commerzbank-Arena steht am Platz ihres grossartigen Vorgängers – des legendären Frankfurter Waldstadions. Sie ist Teil der deutschen Sportgeschichte, war immer ein Mittelpunkt des Lebens in der Region. Das Waldstadion hat sich mehrfach verändert und ist nun, zu Beginn des neuen Jahrtausends, von Grund auf neu konzipiert worden. Die fantastischen Sportler, die hier wetteiferten und kämpften, die spektakulären Fussballspiele, die hier stattgefunden haben, sollen nie vergessen sein.

  • 1925 - 1932

    Platzwahl vor dem Localderby FSV - Eintracht (um 1930)Am 21. Mai 1925 (Himmelfahrt) wurde das Waldstadion eröffnet. 30.000 Besucher jubelten unter strahlender Frühlingssonne, als Oberbürgermeister Ludwig Landmann die Sportstätte ihrer Bestimmung übergab. Auf dem Gelände des ehemaligen Schiessplatzes war inmitten galoppierender Inflation und Arbeitslosigkeit „die schönste deutsche Sportanlage“ entstanden.

    Das erste Grossereignis war das Endspiel um die Deutsche Fussballmeisterschaft am 7. Juni 1925 (1. FC Nürnberg – FSV Frankfurt 1:0). Schon im Juli folgte mit der „1. Arbeiter-Olympiade“ und Teilnehmern aus 12 Nationen das erste internationale Wettkampfereignis. Es bedeutete zugleich eine politische Demonstration gegen Krieg und Nationalismus.

    Draussen im Stadtwald herrschte fortan nicht nur in der „Hauptkampfbahn“ reges Sport- und Kulturleben. Auch in den weiteren Sportstätten wie Schwimmbad, Radstadion, Tennisanlage und Wintersporthalle dominierte sportliches Treiben.

    Vor allem das Radstadion lockte mit Spitzensport massenhaft Zuschauer an. Motorrad-Länderkampf, Meisterschaften im Steherrennen und ein erfolgreicher Boxkampf des späteren Weltmeisters Max Schmeling im Jahr 1927 (gegen den Dänen Larsen) erwiesen sichLuftbild (um 1925) als Publikumsmagneten. Doch das Waldstadion blieb immer das Kernstück und der Fussball die Hauptattraktion.

    Grossveranstaltungen wie der Leichtathletik-Länderkampf gegen die Schweiz 1928 oder Länderspiele wie gegen Italien 1930 (0:2) vor 50.000 Zuschauern - das Stadion war völlig überfüllt – etablierten das Waldstadion als Zentrum des internationalen Sports.

    Mit „einem der schönsten Stadien der Welt“ bewarb sich Frankfurt im Mai 1930 sogar offiziell für die Olympischen Spiele 1936. Doch nach dem Berliner IOK-Kongress im selben Monat überredeten die Funktionäre die Stadtregierung von Frankfurt, zugunsten der Hauptstadt auf die Bewerbung zu verzichten. 1931 vergab das Internationale Olympische Komitee dann die Spiele nach Berlin.

  • 1933 - 1950

    Die Nazis brachten das Waldstadion schon kurz nach der Machtübernahme 1933 unter ihre Kontrolle. Der jüdische Oberbürgermeister Ludwig Landmann trat zurück. Bald darauf erzwangen die neuen Machthaber einen Magistratsbeschluss, wonach politische Veranstaltungen im Stadion erlaubt werden mussten. Die Folge: Schon im Juni marschierte die SS unter den Augen von Heinrich Himmler im Waldstadion ein. Drei Monate später hielt die NSDAP Hessen ihren Gauparteitag ab und Goebbels sprach auf den Vorfeldern zu 150.000 NSDAP-Mitgliedern. 1935 wurde das „Stadion“ in „Sportfeld“ umbenannt und völlig in den Dienst des Hakenkreuzes gestellt.

    Zu den sportlichen Höhepunkten in den Vorkriegsjahren gehörte der Auftritt von Rudolf Harbig. Er lief am 12. August 1939 in 46,0 Sekunden den Weltrekord über 400 Meter. Achtzehn Tage später begann der Krieg – Harbig starb am 5. März 1944 an der Ostfront.

    Großkundgebung beim Reichshandwerktag 1935Ende März 1945 marschierten die US-Streitkräfte in Frankfurt ein. Am 1. Mai beschlagnahmten sie das stark in Mitleidenschaft gezogene „Sportfeld“ und nannten es „Victory Stadium“. Die GIs nutzten alle sportlichen Einrichtungen zunächst exklusiv – auf der Hauptkampfbahn spielte man damals American Football. Im Juli 1946 gaben die Amerikaner das Stadion erstmals wieder für eine deutsche Veranstaltung frei – für den „Tag der Eintracht“. Es wurde ein epochales Fest. 40.000 Sportfreunde kamen, um die Athleten aus Vereinen von München bis Bremen zu sehen. In dieser Zeit brachte das Stadion den Menschen ein Stück Lebensfreude zurück.

    Rasch ging es aufwärts: Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften 1946, Oberliga-Fussball (damals die höchste Klasse), Derbys der Eintracht, des FSV und der Offenbacher Kickers, auf der Radrennbahn die Stehermeisterschaften vor über 20.000 Zuschauern und am 28. September 1947 auch das Comeback des Box-Ex-Weltmeisters Max Schmeling. Vor 40.000 Zuschauern besiegte er Werner Vollmer durch K.o.

    Das erste Deutsche Turnfest nach dem Krieg bildete 1948 den Höhepunkt des Jahres. Schirmherr war OB Walter Kolb, der danach auch den Turnerbund führte und unermüdlich um die Rückgabe des Stadiongeländes bemüht war. Die Amerikaner kamen den Wünschen schrittweise nach. Im Juni 1950 gaben die US-Stellen als letzten Bereich das Freibad zurück, behielten sich jedoch die zukünftige Nutzung vor.

  • 1951 - 1960

    Am 17. Mai 1953 trat die Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern an. Die Eintracht verkaufte 68.000 Eintrittskarten – für 55.000 Zuschauer war das Stadion konzipiert. Als noch mehr Fussballfans sich mit Gewalt Zugang verschaffen wollten, kam es zu über 200 Verletzten. Der FCK gewann 1:0 und wurde später Deutscher Meister. Die Folgen des Chaos hatten Stadt und Stadion GmbH zu tragen: Das Stadion wurde umgebaut.

    Im September 1953 rückten die Bagger an. Es blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Die altertümlichen Bauelemente der Haupttribüne wurden entfernt, Sitzplätze für Ehrengäste und Pressevertreter geschaffen. Das Spielfeld wurde drei Meter tiefer gelegt, die Laufbahn von 500 auf 400 Meter verkürzt, die Zuschauerkapazität auf 87.000 erhöht. Die Kosten betrugen 1,6 Millionen Mark. Nach 19 Monaten Bauzeit wurde das runderneuerte Waldstadion am 14. Mai 1955 mit einem Spiel einer Stadtauswahl gegen die irische Nationalelf wieder eingeweiht.

    Umbau des Stadions 1954Man hatte schon damals kein „reines“ Fussballstadion gebaut. So konnte 1955 die Deutsche Leichtathletik Meisterschaft stattfinden. Es folgten Fussball-Länderspiele 1956 gegen die Schweiz (1:3 vor 80.000 Besuchern) und 1958 gegen Spanien (2:0). 1959 spielte die Eintracht um die Deutsche Meisterschaft; am 23. Mai war der FK Pirmasens zu Gast. Mit 81.000 Zuschauern (die inzwischen korrigierte Kapazitätsgrenze) wurde ein bis heute gültiger Zuschauerrekord aufgestellt. Die Eintracht siegte und erreichte das Finale gegen Kickers Offenbach. Das „Traumfinale“ musste allerdings in Berlin stattfinden: Die Eintracht gewann mit 5:3 nach Verlängerung und sicherte sich damit ihre bisher einzige Deutsche Fussball-Meisterschaft.

    Im Licht der damals stärksten Flutlichtanlage Deutschlands folgten Spiele im Europapokal. Über Young Boys Bern und den Wiener SC erreichte die Eintracht das Halbfinale gegen die Glasgow Rangers. Am 13. April 1960 erlebten 77.000 Zuschauer den legendären 6:1-Sieg der Eintracht gegen die Rangers. „Das war das Grösste, was je im Treffen zweier Vereinsmannschaften auf Frankfurter Fussballerde geboten wurde“, meinte die Presse. Auch das Rückspiel gewann die Eintracht (6:3). Im Finale allerdings (ebenfalls in Glasgow) musste sie sich gegen Real Madrid mit 3:7 geschlagen geben.

  • 1961 - 1980

    Muhammad Ali alias Cassius Clay vs. Karl Mildenberger am 10. September 1966 im Waldstadion1963 startete die Bundesliga. Sie lockte immer mehr Zuschauer an und brachte neue Pflichten, so musste z. B. ein Zaun um das Spielfeld errichtet werden. Neben dem Fussball gab es weitere „Highlights“. 1960 war die Kunsteisbahn eröffnet worden. Dort wuchsen Marika Kilius und Franz Ningel heran, wurde Eishockey in der höchsten Klasse gespielt und 1966 die Bahn-Radweltmeisterschaft ausgetragen.

    Im September 1966 boxte hier Muhammad Ali gegen Karl Mildenberger um die Weltmeisterschaft. Ali siegte in der 12. Runde, doch Mildenberger hatte sich beachtlich gewehrt.

    1968 beschloss Frankfurt, sich für die Fussball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland zu bewerben. Die Auflagen: mindestens 60.000 Zuschauer, 50 % Sitzplätze, 2/3 davon überdacht. Also musste das Waldstadion erneut umgebaut werden. Weil die Kalkulation stieg und stieg, wurde im Stadtparlament bis zuletzt gestritten. Der Beschluss fiel am 2. Februar 1972 und wurde sofort zur FIFA-Tagung nach Beirut telegrafiert. Denn bis zum 3. Februar hatte der DFB die WM-Städte zu benennen.

    Am 13. Februar 1974 wurde das neue Stadion der Öffentlichkeit präsentiert. Erste Ereignisse waren das WM-Qualifikationsspiel zwischen Jugoslawien und Spanien, zwei Wochen später das Länderspiel Deutschland – Schottland, das durch Tore von Breitner und Grabowski 2:1 endete.

    Fans im Waldstadion (1965)Die 10. Fussball-Weltmeisterschaft wurde sogar im Waldstadion eröffnet. 60.000 Zuschauer sahen am 13. Juni 1974 das WM-Eröffnungsspiel (Brasilien – Jugoslawien 0:0). Insgesamt fünf Gruppenspiele fanden hier statt. Am 3. Juli kam es zum Halbfinale Polen – Deutschland. Der Platz schien wegen Dauerregens nicht bespielbar. Dank Feuerwehr und zahlreicher Stadion-Mitarbeiter konnte der Schiedsrichter doch noch anpfeifen. Die Partie ging als „Wasserschlacht von Frankfurt“ in die Geschichte ein. Gerd Müller erzielte das Tor zum 1:0-Sieg. Das Jahr brachte einen Rekord von 1.343.500 Besuchern.

    1978 wurden dann eine Dränage und eine Rasenheizung eingebaut, die zweite nach München. Die Eintracht zog wieder mehr Zuschauer ins Stadion. Zudem machten wichtige Länderspiele wie das 1975 gegen Holland anlässlich der 75-Jahr-Feier des DFB, die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 1976 oder das UEFA-Pokal-Finalrückspiel gegen Mönchengladbach (21.05.1980, Eintracht siegte 1:0, ihr grösster internationaler Triumph) das Waldstadion zu einem Zuschauermagneten.

  • 1981 - 1990

    Open-Air im Waldstadion: "Rock Circus" 1970Die achtziger Jahre brachten viele Attraktionen nach Frankfurt, die für jede Menge Besucher und sportliche Begeisterung sorgten: In der Leichtathletik fanden 1981 der Europacup der Frauen und 1988 die Deutschen Meisterschaften statt. Im Fussball, zum Beispiel die Pokalendspiele 1982 (Bayern München – 1. FC Nürnberg) und 1984 (Bayern München – Mönchengladbach), das Länderspiel gegen Brasilien 1986, die Supercupspiele (Bayern München – Hamburger SV) 1987 und (Werder Bremen – Eintracht Frankfurt) 1988. Hervorzuheben ist aber auch die Fussball-EM 1988, bei der das Stadion Gastgeber für die Partien Italien – Spanien und England – Sowjetunion war. Extra dafür wurden Gastronomieräume und VIP-Räume eingerichtet.

    Und es kam noch mehr hinzu. 1983 war das Waldstadion Gastgeber der Eröffnungs- und Schlussfeier des Deutschen Turnfestes und 1987 der Schlussversammlung des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Unter den 85.000 Teilnehmern, bis heute ein Besucher-Rekord, waren auch Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl.

    Deutsche Leichtathletik Meisterschaften im Waldstadion (hier Programm von 1997)Zugleich begann in diesen Jahren die Nutzung immer vielfältiger zu werden. Die Ära der Rock- und Pop-Open-Air-Konzerte brach an. In der Radrennbahn hatte schon 1970 das erste international besetzte Open-Air-Festival in der bundesdeutschen Musikgeschichte stattgefunden. Unter dem Titel „Rock Circus“ traten u. a. die Byrds und Black Sabbath auf. Richtig los ging es dann 1983 mit dem Auftritt von Supertramp. In den darauf folgenden Jahren kamen viele Weltstars ins Waldstadion. 1987 Madonna, 1988 Bruce Springsteen und Prince, 1990 die Rolling Stones in einem Doppelkonzert und auch Tina Turner.

    Damit kam ein neuer Sound ins weite Rund und mit dem Ambiente veränderte sich auch immer wieder das Publikum. Dem hektischen Auf- und Abbau der riesigen Bühnen in Tag- und Nacht-Arbeit folgte der Einzug der meist jugendlichen Fans. So zog das Waldstadion auch immer mehr Frauen an. Denn während beim Fussball Frauen und Mädchen oft in der Minderheit blieben, waren unter den Teenies, die zu den Pop-Konzerten kamen, manchmal mehr Mädchen als Jungen. Eine Entwicklung, die sich in den neunziger Jahren fortsetzte.

  • 1991 - 1999

    Open-Air Fans im Waldstadion beim "U2"-Konzert 1993In den frühen 90er Jahren gab es viele Stadionkonzerte. 1992 kamen Marius Müller-Westernhagen, Dire Straits und Michael Jackson, dem zuliebe der DFB sogar die Verlegung des Spiels Frankfurt gegen Bayern München erlaubte. 1993 traten U2 und Guns N´Roses auf und auf dem ehemaligen Hockeyplatz spielten Konstantin Wecker und Jethro Tull. Später fanden weniger Konzerte statt. Nach Bon Jovi, Kelly Family und Westernhagen kam 2000 noch Tina Turner.

    Insgesamt jedoch wuchs die Vielfalt. 1993 gab es ein Kinderfest und ein politisch brisantes Kurdenfestival, 1995 sogar erstmalig ein Betriebsfest: Die Commerzbank feierte ihr 125-jähriges Bestehen. Aus ganz Deutschland reisten tausende Mitarbeiter an. Günter Jauch moderierte die Show. Die abschliessende Lasershow war spektakulär. Seitdem nutzt die Wirtschaft Frankfurts verstärkt das Waldstadion.

    Auch sportlich geschah viel Aufregendes. Nachdem sich Frankfurt 1987 für die Olympiade 2004 beworben hatte, akquirierte man internationale Veranstaltungen wie 1991 das Leichtathletik-Europacup-Finale. Hinzu kamen nach Bau eines neuen Center-Courts internationales Spitzentennis wie der Frauen Federation Cup und 1992, 1993 und 1994 die Tennis-Weltmeisterschaften der Damen. Später liess der Tennis-Boom nach.

    American Football im Waldstadion: Frankfurt Galaxy1991 zog American Football ins Stadion ein und mit ihm die World League, ein Ableger der amerikanischen National Football League (NFL). Frankfurt Galaxy wurde geboren und zog in der ersten Saison über 150.000 Besucher an. Wie ein Blitz schlug die neue Sportart ein und lockte mit ihrer Party-Stimmung vor allem junges Publikum an. Wie nie zuvor bei sportlichen Wettkämpfen wurde gerockt und gefeiert.

    Wegen mangelnder TV-Einnahmen brach die NFL 1992 ihren Football-Vorstoss ab. Erst 1995 ging es mit neuem Modus und neuem TV-Vertrag weiter. Nun gab es eine NFL Europe League mit 5 europäischen Mannschaften. Die Zuschauerzahlen stiegen bis auf über 36.000. Die Galaxy gewann auf Anhieb den World Bowl. Diesen Erfolg wiederholten sie 1999. Football ist seitdem in Frankfurt bei den Fans eine fixe Grösse.

    Und die Eintracht? 1996 stieg sie aus der 1. Bundesliga ab. Erst zwei Jahre später kehrte sie zurück – wobei beim letzten Heimspiel in der Zweiten Liga gegen Mainz im Waldstadion einiges zu Bruch ging. Doch schon 1999 drohte der erneute Abstieg, bis es im letzten Heimspiel zum legendären „Wunder vom Waldstadion“ kam – die Eintracht siegte 5:1 gegen Kaiserslautern und blieb in der Ersten Liga.

  • 2000 - 2004

    Eintracht-Fans feiern den Klassenerhalt 1999/2000Im Jahr 2000 wiederholte sich das „Wunder vom Waldstadion“. Mit dem neuen „Retter“ Magath reichte es wiederum durch einen Sieg im letzten Spiel hauchdünn zum Klassenerhalt.

    Nun sollte alles professioneller werden. Im Sommer 2000 gründete der über 100 Jahre alte Verein für den Profi-Bereich die Eintracht Frankfurt Fussball AG. Der US-Konzern Octagon pumpte 50 Millionen Mark in die Profiabteilung. Als Erstes drehte sich das Personalkarussell: neues Präsidium, neues Management, neue Spieler. Die Saison begann gut. Doch Anfang 2001 stand die Eintracht wieder am sportlichen Abgrund. Magath musste gehen, Sportdirektor Rolf Dohmen folgte ihm kurz darauf. Friedel Rausch kam, konnte aber die Eintracht auch nicht mehr vor dem Abstieg bewahren.

    Neuer Trainer wurde Martin Andermatt. Als sich Octagon zurückzog, entstanden existenzielle Probleme. Diese wurden zum Ende der Saison 2001/2002 immer grösser. Der DFB entzog dem Verein die Lizenz für die 2. Bundesliga. Erst im allerletzten Moment wurde sie doch noch erteilt. Als Highlight im neuen Jahrtausend blieb neben den Zweitligaspielen der Eintracht und den Spielen der Galaxy die Schlusskundgebung des Deutschen Evangelischen Kirchentages im Jahr 2001.

    Schur erzielt das 6:3Dann begannen die Vorbereitungen auf die Fussballweltmeisterschaft 2006. Ab 2002 fiel das alte Stadion Stück um Stück. Und Stück für Stück wuchs das neue empor. Unterdessen schaffte die Eintracht im Spiel gegen Reutlingen überraschend den Wiederaufstieg in die erste Liga. In den letzten Sekunden fiel durch Alexander Schur das notwendige Tor zum 6:3-Sieg – nachdem die Gäste kurz vor Ende zum 3:3 ausgeglichen hatten und Konkurrent Mainz 05 in Braunschweig 4:0 geführt hatte. Das Unfassbare geschah: Die Frankfurter schossen noch drei Tore, während in Braunschweig ein Gegentor fiel.

    Eine Woche später fegte Galaxy den Erzrivalen Rhein-Fire mit 38:7 vom Platz und erreichte das World-Bowl-Finale. Wieder wurde überschwänglich gejubelt und gefeiert. Das Finale gewann die Galaxy in Glasgow mit 35:16 gegen Rhein-Fire und hat damit als erstes Team überhaupt dreimal den World Bowl gewonnen.

    2004 ereilte die Eintracht erneut der Abstieg. Trotz einer kämpferisch tollen Leistung kam sie beim letzten Spiel in Hamburg über ein 1:2 nicht hinaus. Wenige Tage später wurde Willi Reimann entlassen, neuer Trainer wurde Friedhelm Funkel. Als Ziel für die neue Spielzeit wurde der Kampf um die Spitzenplätze und somit der direkte Wiederaufstieg ausgegeben. Zur neuen Saison vermeldete die Eintracht im August einen neuen Dauerkartenrekord für die 2. Bundesliga: über 8000 Dauerkarten wurden abgesetzt.

    Im September 2004 gab die Stadt Frankfurt als Stadioneigentümer bekannt, dass ab 01.06.2005 ein Konsortium, bestehend aus HSG und Sportfive, neuer Betreiber und Vermarkter des Frankfurter Waldstadions sein würde.

  • 2005 - 2008

    Das neue Stadion wurde zum 31. Mai 2005 fertig gestellt. Im Februar desselben Jahres erwarb die Commerzbank AG daran das Namensrecht auf zehn Jahre. Das ehemalige Waldstadion heißt seit Juli 2005 "Commerzbank-Arena".
    Klaus-Peter Müller, Sprecher des Vorstands der Commerzbank, erklärte hierzu: "Wir wollen Zeichen setzen. Ein Zeichen für die Stadt Frankfurt, mit der wir uns als Wirtschaftsunternehmen eng verbunden fühlen. Ein Zeichen aber auch für unsere Verbundenheit mit den Bürgern und Sportfans dieser Stadt. Ein Zeichen dafür, dass dieser größte kontinentaleuropäische Finanzplatz Zukunft hat. Und schließlich ein Zeichen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn mehr als ein Drittel unserer inländischen Belegschaft lebt hier in der Region. Und Frankfurt ist unser Firmensitz."

    Die Commerzbank-Arena wurde zum Confederations Cup 2005 mit dem Spiel Deutschland gegen Australien offiziell eröffnet. Insgesamt wurden in der neuen Arena vier Spiele ausgetragen, inklusive dem Finale Brasilien gegen Argentinien, erstmals unter geschlossenem Dach. Aufgrund eines heftigen Unwetters hätte diese Partie ohne die Überdachung an diesem Tage nicht stattfinden können.

    Die Eintracht erzielte mit Unterstützung der Fans eine Serie von zehn Heimsiegen in Folge. Im Mai konnte dann ganz Frankfurt wieder feiern, denn die Eintracht schaffte drei Spieltage vor Saisonende den vorzeitigen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga!

    Die Saison verlief sportlich positiv, unter anderem wurde Mitaufsteiger Köln mit 6:3 bezwungen. Die Eintracht erreichte seit 13 Jahren erstmals wieder das Viertelfinale des DFB-Pokals. Auf dem Weg dorthin wurde Schalke 04 mit 6:0 aus der Arena geschossen. Zugleich war dies der bislang höchste Sieg der Eintracht in der neuen Commerzbank-Arena.
    Nachbar Mainz 05 richtete einige UEFA Cup-Spiele in der Arena aus, die in diesem Jahr insgesamt 656.406 Besucher verzeichnete.

    Die neue Arena beflügelte die Fans - die Eintracht erreichte einen Zuschauerschnitt von über 40.000 in der 1. Liga. Im DFB-Pokal wurde im Halbfinale Bielefeld mit 1:0 bezwungen. Vor dem Spiel sorgten die Fans mit einer umfassenden Europa-Choreographie für einen würdigen Rahmen. Im Finale in Berlin unterlag eine starke Eintracht dem FC Bayern unglücklicherweise mit 0:1. Die Eintracht zog erstmals seit zwölf Jahren als Finalverlierer in den UEFA-Cup ein und konnte drei UEFA-Cup-Spiele in der Arena austragen. In der Bundesliga hielt sie die Klasse.
    Die Footballer der Frankfurt Galaxy spielten eine starke Saison und gewannen zum vierten Mal den World Bowl.

    Public Viewing im WM-Stadion Frankfurt am MainIm Jahr 2006 fanden fünf ausverkaufte WM-Spiele im FIFA-WM-Stadion Frankfurt statt. Zudem gab es in der Arena ein Public Viewing anlässlich des Halbfinales Deutschland gegen Italien. Innerhalb von nur vier Tagen Vorlauf für Organisation und Kartenvorverkauf sahen 35.000 Zuschauer dieses Spektakel.

    Im Anschluß an die WM brodelte die Commerzbank-Arena voll südlichem Temperament. Der Türkische Fußballverband trug seinen Süper Kupa (Super-Cup) erstmals außerhalb der Türkei aus und wählte Frankfurt als Standort. Der amtierende Meister Galatasaray Istanbul traf auf den amtierenden Pokalsieger Besiktas Istanbul. Letzterer konnte sich im Stadtderby vor 30.000 begeisterten türkischen Fans mit 1:0 durchsetzen.

    Bundesliga, WM, Süper Kupa und eine Großveranstaltung der Zeugen Jehovas mit jeweils 40.000 Besuchern an drei Tagen bescherten der Arena mehr als 1,5 Millionen Besucher. Zudem richtete die Türkei drei Spiele der EM Qualifikation (auf neutralem Boden und ohne Zuschauer) in der Arena aus.

    Anfang des Jahres 2007 eröffnete die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie das Bistum Limburg in der Frankfurter Commerzbank-Arena einen ökumenischen Andachtsraum. Die Frankfurter "Kirche in der Arena" ist neben den Andachtsräumen in Gelsenkirchen (Schalke) und Berlin die dritte in einem deutschen Stadion.

    Im Jahr 2007 war die Eintracht richtig in der Bundesliga "angekommen" und konnte endlich wieder gegen den FC Bayern gewinnen. Christoph Preuß beförderte den Ball beim Heimsieg in der Arena per Fallrückzieher in den Winkel des Münchener Tores. Überhaupt spielte die Eintracht mit 23 Punkten eine so erfolgreiche Hinrunde wie lange nicht mehr.

    Worldbowl 2007Die Galaxy zog in den World Bowl in der eigenen Arena ein und verlor vor 48.000 Zuschauern gegen die Hamburg Sea Devils. Es folgte ein Schock für die Fans der Frankfurt Galaxy, denn der Spielbetrieb der NFL Europa Liga wurde eingestellt. Rekordsieger Frankfurt war das einzige verbliebene Gründungsmitglied der NFL Europa, die 1991 als "World League of American Football" mit zehn Mannschaften in den USA und in Europa gestartet war. Nach einer zweijährigen Pause (1993/94) wurde die Liga mit sechs Mannschaften 1995 als rein europäischer Ableger neu ins Leben gerufen. In diesem Format bestand die NFL Europa nun bis zu ihrer letzten Saison 2007. Die Commerzbank-Arena bleibt dem American Football allerdings verbunden. Sie ist im September 2008 Austragungsort des German Bowl, dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im American Football.

    In der Commerzbank-Arena hat aber nicht nur der Sport seine Heimat. Zwei Konzerte von Herbert Grönemeyer vor insgesamt fast 80.000 Zuschauern, ein Konzert der Rolling Stones sowie eins von Genesis vor 45.000 Zuschauern zeigen, dass in der Arena auch musikalisches Entertainment seinen Platz hat.

    Genesis 2007Wie im Jahr zuvor arrangierten auch 2007 die Zeugen Jehovas wieder einen Kongress, diesmal mit knapp 60.000 Besuchern. Zweitligist SV Wehen Wiesbaden richtete einige Spiele in der Arena aus, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein öffentliches Training vor 31.000 Zuschauern. Nach über neun Jahren fand im November 2007 mit dem ausverkauften Spiel in der EM-Qualifikation gegen Wales endlich wieder ein Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Frankfurt statt, sieht man einmal vom Spiel Deutschland-Australien im Conferations-Pokal 2005 ab.

    Im November 2007 gab es einen weiteren Meilenstein: die Eröffnung des Eintracht Frankfurt Museums im Erdgeschoss der Haupttribüne der Commerzbank-Arena. Auf über 400 Quadratmetern wird die Entwicklung des Vereins vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart vorgestellt. Seinen Schwerpunkt legt das Museum dabei auf den Fußball. Aber auch die anderen Sparten des Vereins sind berücksichtigt.

    Die Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt e.V. und das Eintracht-Museum bringen seit Februar 2008 mit ihrer gemeinsamen Veranstaltungsreihe "Tradition zum Anfassen" über die Dauerausstellung hinaus weitere Höhepunkte ins Museum und damit in die Arena.

  • 2009 - Heute

    Mehr als 44.000 Fans und somit ein erneuter europäischer Zuschauerrekord im Frauenfußball konnte mit beim Top-Länderspiel Deutschland-Brasilien im April in der Commerzbank-Arena erreicht werden. Die Veröffentlichung des Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 Slogans (“20Elf von seiner schönsten Seite“) und die Rekordkulisse sorgte, trotz einem 1:1 Unentschienden für ein tolles Fußballerlebnis.   

    Das Finale des Internationalen Deutschen Turnfests fand in Form einer spektakulären Stadiongala Anfang Juni in der Commerzbank-Arena statt. Über 2.500 Mitwirkenden und 36.000 Zuschauern inklusive der Bundeskanzlerin Angela Merkel und Turnstar Fabian Hambüchen feierten gemeinsam den Abschluss der weltweit größten Wettkampf- und Breitensportveranstaltung.

    Nur wenige Tage nach seiner Krebsoperation hat Dave Gahan mit seiner Band Depeche Mode ein begeistertes Konzert in der Commerzbank-Arena gegeben. Neben Songs aus dem aktuellen Album „Sounds of the Universe" zeigten die Briten die ganze Bandbreite ihrer fast 30jährigen Karriere. Bei Klassikern wie „Enjoy the Silence", „Never let me down again" und „Personal Jesus" hielt es keinen der über 42.000 Besuchern auf ihren Sitzen, und die Commerzbank-Arena verwandelte sich in einen gigantischen Chor zum zeitlosen Elektropop einer großartigen Band.

    Ein mitreißender Gig. Ein Wunschkonzert - im doppelten Wortsinn. Drei Stunden spielt der "Boss" Bruce Springsteen in der ausverkauften Commerzbank-Arena in Frankfurt bei strahlendem Wetter vor über 40.000 Fans - und er liefert mit seiner legendären E-Street-Band ein Set ab, das keinen Teil seines Riesenwerks ausspart und von Spielfreude pur getragen ist.

    Bereits zum vierten Mal tagte der Internationale Kongress der Zeugen Jehovas im Sommer 2009 in der Commerzbank-Arena. Mit insgesamt über 100.000 Teilnehmern und an dreieinhalb Tagen und einer Programmangebot in 5 Sprachen war es bis dato der größte Kongress dieser Form.  

    Das geistliche Oberhaupt der Tiber, der  Dalai Lama, beehrte für insgesamt vier Tag die Commerzbank-Arena. Unter dem Motto „Die Kunst des Lebens“ hielt der Friendensnobelpreisträger täglichen Vorträgen und diskutierte mit Wissenschaftlern über aktuelle Themen. Abgerundet wurde die Vortragsreihe mit dem Konzert “Artists for Dalai Lama“. Insgesamt konnte  „Seine Heiligkeit“  rund 52.500 Besuchern begeistern.    

    Anfang September verwandelten rund 45.000 IG-Metaller die Commerzbank-Arena in eine politische Arena. Mit vier Bühnen zeigte sich die Commerzbank-Arena in einer komplett neuen Konfiguration. Höhepunkte waren die Reden der beiden IG-Metall Vorsitzenden Berthold Huber und Detlef Wetzel sowie die musikalischen Auftritte von Sammy Deluxe und Sir Bob Geldorf.

    Zum zweiten Mal fand der German Bowl Anfang Oktober in der Commerzbank-Arena statt. Zum zweiten Mal war auch die Mannschaft der Kiel Baltic Hurricanes im Finale und beim zweiten Anlauf mussten sie sich erneut geschlagen geben. Dies Mal gegen die Berlin Adler, die mit einem 28:21-Erfolg den deutschen Meisterschaftstitel feierten.